Witchcraft feat. Stafford Hunter & Carolyn Breuer – Marians Jazzroom Bern Innere Enge 2010-10-30

Die Tage werden langsam neblig und kurz, höchste Zeit, mehr Zeit drinnen zu verbringen. Zum Beispiel im Jazzclub.

Fraubrunner Morgennebel

Morgennebel im Fraubrunner Moos - schön, schön kalt.

Zwar wollte ich bereits Freitags in den BeJazz-Club, allerdings war ich so beschäftigt, geplättet von der Woche und hatte noch ein Bananenbrot für den hiesigen Gemeindebazar am Samstag anzufertigen – es war mir einfach alles zuviel. Zudem am Samstag die letzte Möglichkeit bestand, die attraktive und brillante Pianistin Anke Helfrich mit dem Frauentrio Witchraft [Anke Helfrich (p), Lindy Huppertsberg (b), Carola Grey (dr) ] ebenfalls in Bern zu hören. Anke kannte ich bereits mit ihrem eigenen Trio vom BMW Welt Jazz Award 2009 und die Lieder ihrer CD „Better Times Ahead“ laufen bei mir recht oft auf meinem MP3-Player, wenn ich durch die hiesige Moorlandschaft renne (gerade bei trübem Wetter). Bei ihrem Gastspiel in Bern gesellten sich die Saxophonistin Carolyn Breuer und der Posaunist Stafford Hunter hinzu – zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich alle anderen Musiker nicht kannte.
Schreckt mich der S-Bahnhof Bern Liebefeld immer etwas von einem Besuch im BeJazz ab, so fand ich die Website von Marians Jazzclub ähnlich grauslig, zumal sie mir nicht alle Informationen bot und ich vor meinem Besuch zum Telephon greifen musste, um letzte Fragen abzuklären. Die Künstler spielen dort i.d.R. immer durchgehend fünf Abende von Dienstag bis Freitag zwei Sets (je 75 Minuten von 19:30 – 20:45 und 22:00 – 23:15) pro Abend. Jedes Set kostet 30,- CHFr., beide zusammen 50,- CHFr. Speziell bei einem Besuch des Ersteren sollte vorher (telephonisch) reserviert werden. Nachdem alles abgeklärt und ein Platz für mich gebucht wurde, konnte es am Samstag losgehen. Die Buslinie 21 fährt praktischerweise vom Berner Hauptbahnhof direkt vor die Tür des vier Sterne Hotels Innere Enge (Haltestelle Innere Enge – Richtung Bremgarten), im Untergeschoss befindet sich der Jazzclub.

Hotel Innere Enge

Hotel Innere Enge Bern.

Sicherheitshalber bin ich schon um 18:04 mit der RBS losgefahren und war früh genug da, um noch im Foyer des Hotels die Neue Zürcher Zeitung zu lesen und einen Assam zu trinken.

Hotel Innere Enge Foyer

Im Foyer des Hotels.

Der Jazzkeller öffnet um 19:00 und dort kann ebenso alles aus dem Kontingent des Hotels bestellt werden, was das Herz begehrt. Viel Raum gibt es dort nicht, jedoch auch keine schlechten Plätze. Alles ist sehr gemütlich und plüschig.

Marians Jazzroom

Sicht aus meinem Platz in Marians Jazzroom.

Aus Zeit und Kostengründen beschloss ich nur ein Set zu besuchen, zumal Anke alljährlich in Marians Jazzroom kommt.

Der Klang: Es mag der Eindruck entstehen, dass ich hier besonders penibel bin. Finde ich nicht, schliesslich gebe ich dafür mein gutes Geld und die Musiker ihr ganzes Können. Mit Herzblut gespielte Musik schlecht abgestimmt durch eine mittelmäßige Anlage zu nudeln, ist doch genau so, als würde ein Kellner ein bestelltes Sterne-Essen erst lauwarm werden lassen und anschliessend damit in einem Kleinwagen um das Restaurant heizen, bis alles komplett vermanscht auf dem Teller ist. Klar, schmecken wird es vermutlich dennoch, jedoch im Sinne des Koches – und Gastes – ist dies nicht! Also, der Kland im Marians ist gut, abhängig von Position zur Bühne und jeweiligem Musiker – ich sass recht nah am Schlagzeug, doch ein Kügelchen Zellstoff im betroffenen Ohr behob das Ungleichgewicht.

Die dargebotenen Stücke (z.B. von Herbie Hancock) waren allesamt groovig-swingend, auch lateinamerikanisch und meinem Empfinden nach im Bereich Hard Bop (Neo Bop?) anzuordnen. Jedem Musiker wurden angenehm viele Soli zuteil – alle Damen bewiesen eindrucksvoll ihr Können am Instrument. Carolyn Breuer am Saxophon hielt sich angesichts des Posaunisten aus New York scheinbar respektvoll zurück. Dieser widerlegte mit seinem Spiel, dass die Posaune ein behäbiges Blasinstrument sei und überraschte, als er im letzten Stück des Sets (vor Zugabe), auf verschiedenen Muscheln blasend, improvisierte.

Besonders beeindruckend war Carola Grey aka Noisy Mama am Schlagzeug.

Fazit: Ein sehr sehr schönes Konzert in einem angenehmen Ambiente. Die An- und Abreise bequem und die Möglichkeit, ein Konzert zu verschiedenen Terminen wahrzunehmen, macht das Programm im Marians zu einer attraktiven Bereicherung Berns Jazzszene, das ich zukünftig etwas eingehender beobachten werde. Direkt eine Haltestelle vor der Inneren Enge befindet sich übrigens das Bierhübeli, das auch hin und wieder einige interessante Gäste zu bieten hat (z.B. Jamie Lidell am nächsten Samstag). Lustigerweise war der Rest der Familie am selben Abend, an dem ich in Bern war, auf einem klassischen Chorkonzert in Basel und pflegte somit das Kontrastprogramm.

Über Dominik

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