Gelesen: Marianne Gruber, Die gläserne Kugel.

Ich hab mich durchgebissen. In einem Wort: Wirr!

Wieder ein Buch, das bleibt oder geht. Vorneweg: Die knapp 151 Seiten auf Deutsch zu lesen fiel mir schwerer als die gesamte Lord Of The Rings (LOTR) Trilogie im englischen Original. Von der Komplexität und Schwierigkeit her, ist „Die gläserne Kugel“ James Joyce gleichzusetzen, wobei Joyce eindeutig amüsanter ist und ich wäre schneller fertig geworden, wenn es sich hier um ein Werk von Joyce gehandelt hätte.

Der Erzähler dieser Geschichte, ein Findelkind, lebt in der Stadt in einer gläsernen Kugel. Die Kugeln schützen die Bewohner vor dem unerträglichen Lärm, der dort herrscht. Wer unerlaubt und ungeschützt dennoch die Kugel verlässt, wird von der Kakophonie des Lärms wahnsinnig und stirbt sogar daran. Die Stadt ist in ihrer Lärmglocke vom Land getrennt. Alles ist hier voneinander abgekapselt. Auch der Protagonist. Dieser haust in seiner Kugel und hängt seinen Gedanken nach, da er als Findelkind keinen Wert besitzt und daher auch nichts der Gesellschaft zurückgeben darf. Versorgt wird er dennoch. Dieses eintönige, abgeschiedene Leben erfährt eine Wende, als er eines Tages einen Brief seines Freundes Amir erhält, der ihn auf einen Besuch bei sich einlädt. Ab da an mäandrieren die Gedanken des Protagonisten um diesen mysteriösen Freund Amir, von dem sich später herausstellt, dass es sich bei ihm um einen früheren Lehrer des Helden handelt und um das Verlassen der gläsernen Kugel, dem Ausbruch aus der Routine.

Letztlich gelingt dies dem Helden, aber bis dahin sind wir Leser als imaginärer Dialogpartner im Kopf des Findelkinds gefangen (abgekapselt) und dazu verdammt den verschrobenen Gedankengängen des Protagonistens zu folgen. Wir greifen hier direkt auf den Bewusstseinsstrom des Charakters zu, an dem er uns mit seinen Monologen (Dialogen) teilhaben lässt.

Auch dieses Exemplar habe ich in einer Bücherkiste gefunden und mich sehr darüber gefreut, da ich bereits einige Exemplare der Phantastischen Bibliothek von Suhrkamp besitze und es sich dabei um hervorragende Werke handelt. Dass sich „Die gläserne Kugel“ in ungelesenem Zustand befand, machte mich schon stutzig.

Marianne Gruber, die Autorin, ist eine österreichische Schriftstellerin, die bereits einige Preise und Auszeichnungen einheimsen konnte und stellt in ihrer Heimat eine anerkannte Persönlichkeit dar. Dieses Werk macht aber trotzdem den schmalen Platz in meinem Regal frei. Mit der Angabe über die beiden Ausgaben der gläsernen Kugel mittels Kopieren und Einfügen aus Wikipedia, schliesse ich diese Rezension:

Die gläserne Kugel, Utopischer Roman. – Graz, Wien u. Köln: Styria Verlag 1981 (ISBN 3-22211-358-0), Auch erschienen bei: TB Frankf. a. M.: Suhrkamp 1984 (= Phantastische Bibliothek, Bd.123, st 997).123 (ISBN 3-51837-497-4)

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