Gelesen: Henry Miller, Sexus.

Ein schmuddeliges Exemplar, aber keine Schmuddellektüre.

Henry Millers angeblich „obszönstes Werk“ (laut NY Times) kann meine Generation kaum noch schocken. Neugierig auf diesen Autor, habe ich vor gut zwei Dekaden „Stille Tage in Clichy“ gelesen und selbst damals – zu Zeiten von Prince und Blowfly, fand ich dieses Werk auch nur bedingt anrüchig.

Mittlerweile sind die von Miller geschilderten Intimitäten bestenfalls als deftig zu bezeichnen. Von diesen gibt es in Sexus wahrlich genug. Höchstens drei Kapitel der insgesamt 23 kommen ohne sie aus, was dann in den übrigen aber mehr als kompensiert wird. Vielleicht haben diese den Übersetzter und Lektor noch ins Schwitzen gebracht, denn ich habe zwei Schreibversehen entdeckt und finde das Buch generell nicht sonderlich gut übersetzt, mich haben sie bestenfalls unterhalten, teilweise gleichgültig gelassen, oft aber schlichtweg genervt.

Miller vagabundiert in Sexus grösstenteils durch New York, schwadroniert, assoziiert, kopuliert und skizziert. Dabei gleitet er hin und wieder ins Surreale, vollführt wilde Zeitsprünge und zapft den Bewusstseinsstrom seines Protagonisten an. Besonders interessant bleiben mir die liebevollen Beschreibungen seiner Charaktere im Gedächtnis. Sonst hinterlassen die 469 Seiten nicht viel mehr Wirkung. Gut, das letzte Kapitel ist ein seltsamer Schluss, über den ich noch länger nachgegrübelt habe und kann als phantastische Literatur bezeichnet werden – Miller kokettiert hier vielleicht mit der Traumwelt, die Joyce in Finnegans Wake beschrieben hat. Generell sollten vielleicht viel mehr Passagen auf ihren Symbolgehalt untersucht werden, dafür liesst sich der Stoff aber schlichtweg zu flüssig.

Sexus habe ich in einer Bücherkiste auf der Strasse gefunden und es wird auch wieder in so einer enden. Mein Exemplar ist mir zu zerfleddert und schmuddelig, um es aufzuheben. Die Lektüre ist interessant, aber nicht sonderlich nachhaltig.

Das hier ist mein vorliegendes Exemplar: Miller, H. (1947): Sexus, Rowolt Taschenbuch Verlag GmbH, Hamburg, 1986.

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